Scham
Noch im 19. Jahrhundert war es üblich, dass Frauen unter einer beeindrucken Zahl von Decken gebären mussten. Die übertriebene Körperscham jener Zeit verbot es der Hebamme, den Fortschritt der Geburt durch Tasten oder Nachsehen zu überprüfen. Wurde in einem Notfall ein Arzt herbeigerufen, durfte dieser nicht einmal das Zimmer der Frau betreten. Der Mediziner musste sich vor der Tür mit der Hebamme über den Zustand der Gebärenden austauschen und war eigentlich nur nütze, wenn ein Totenschein ausgestellt werden musste. Wie weit die Hysterie ging, zeigt eine Tirade gegen männliche Geburtshelfer, die 1772 in der Virginia Gazette erschien. Darin erklärte der Autor, es komme für ihn auf das gleiche raus, ob seine Gattin nun eine Stunde im Bordell oder bei einem männlichen Gynäkologen verbracht habe.